Das Projekt Lüftl-Muralismo von Christian Diaz Orejarena und Kornelia Kugler entwickelt die Tradition der im Alpenraum verbreiteten Lüftlmalerei weiter und verbindet dieses klassische Handwerk mit den gesellschaftskritischen, partizipativen und dekolonialen Methoden des lateinamerikanischen Muralismo. Das Motiv reflektiert über die Folgen von Klimawandel und Massentourismus und wurde dabei inspiriert und informiert durch Gesprächsrunden mit Anwohner*innen, wissenschaftliche Erkenntnisse, künstlerische Recherchen und kritische Fabulation.
Together with Christian Diaz Orejarena I created the art in public space project Lüftl-Muralismo. It combines the classic craft of Lüftl painting, with the socio-critical, participative and decolonial methods of Latin American muralismo. The ‘Lüftl-Muralismo’ creates a picture of the consequences of climate change and mass tourism, posing questions about conceivable futures in the Tyrolean valleys. The motif is inspired and informed by discussions with local residents, as well as by scientific findings, artistic research, and critical story-telling.
- installation
- Mural
- Art in Public Space
- Austria
- 2025
Ein künstlerischer Brückenschlag zwischen Kitsch und Kritik: Tiroler Lüftlmalerei trifft lateinamerikanischen Muralismo
Am 23. August 2025 wurde im Zentrum von Umhausen im Ötztal ein außergewöhnliches Wandgemälde enthüllt, das sich mit eindrucksvoller Bildsprache einer drängenden Realität stellt: Wie die Ausbeutung der Natur und der Massentourismus das Leben im Ötztal untergraben. Unter dem Titel „Lüftl-Muralismo“ präsentieren die Künstler*innen Christian Diaz Orejarena und Kornelia Kugler ein Werk, das erstmals zwei Traditionen zusammenführt: die alpenländische Lüftlmalerei und den lateinamerikanischen Muralismo. So entwerfen sie ein Panorama der sozialen Verwerfungen im Angesicht des heraufziehenden Klimawandels.
„Lüftl-Muralismo“ versteht sich als zeitgenössische Weiterentwicklung beider Traditionen – und zugleich als kritischer Kommentar zur Realität des Ötztals als einer von Massentourismus und Klimawandel geprägten Region. Das Wandgemälde zeigt eine allegorische Szene des Lebens im Ötztal. Im Zentrum stehen die sichtbaren Spuren klimatischer Veränderungen und touristischer Übernutzung: trockene Hänge, die von Schneekanonen beschneit werden, brennende Wälder, eine Gerölllawine, das ausgetrocknete Flussbett der Ötztaler Ache. Im Hintergrund ragt ein Staudamm auf, im Vordergrund bricht eine Straße weg – Sinnbild für brüchige Infrastrukturen und ökologische Kipppunkte. Auf einer Straßenseite formiert sich ein kleiner Demonstrationszug mit dem Transparent „Das Wasser bleibt im Ötztal“, ein Verweis auf die Proteste gegen ein geplantes Speicherkraftwerk im Kaunertal. Hintergrund ist die Sorge, dass schmelzende Gletscher die Wasserversorgung der Region gefährden – mit weitreichenden Folgen für Landwirtschaft, Ökologie und Tourismus. Jugendliche Figuren – adaptiert nach Motiven des Tiroler Malers Thomas Walch – blicken ins Leere oder auf ihre Telefone, über der Szene schwebt ein riesiger Engel, dessen Umhang von den Logos großer Unternehmen im Alpenraum bedeckt ist. Das Bild macht sichtbar, was im Tal oft unausgesprochen bleibt: die tiefgreifenden Folgen eines auf Ausbeutung von Mensch und Natur basierenden Tourismusmodells. Die Bildelemente haben die Künstler*innen nach Gesprächen mit den Anwohner*innen und Workshops mit Schüler*innen aus Umhausen entwickelt.
Das Projekt ist Teil des Jahresprogramms Kunst im öffentlichen Raum Tirol 2025, das unter dem Motto „Störfaktoren“ künstlerische Arbeiten versammelt, die gesellschaftliche und ökologische Missstände sichtbar machen. Das aktuelle Jahresprogramm versammelt künstlerische Projekte, die gezielt bestehende Ordnungen irritieren. Die „Störung“ wird dabei nicht als Defekt, sondern als produktive Kraft verstanden, die Veränderung sichtbar macht. Neben „Lüftl-Muralismo“ zeigt die Förderschiene unter anderem die Installation „Schnee von Morgen“ von Lois Hechenblaikner, das Projekt „ÜberEck“ von KünneGrote sowie die Performance „Hinschauen“ von Nicole Weniger.
Presse: Zwei Malwelten und eine Hausfassade I Kunst im öffentlichen Raum an MS Umhausen l Klimakultur Tirol
Stills
Credits
- Ein Projekt von: Christian Diaz Orejarena und Kornelia Kugler
- Malerische Umsetzung mit: Juan Camilo Alfonso (Fonso)
- Technische Unterstützung: Philipp Ganglberger, Tobias Morawski, Tinta del Rio
- Verfügungsteller des halböffentlichen Raumes: Walter Kugler
- Vielen Dank an: Miriam Trostorf, Jan Ole Arps, Philipp Ganglberger, Walter Kugler, Klemens Kugler, Nina Kugler, Johannes Kugler, Filo Diaz Trostorf. Die Besucher*innen unserer Gesprächscafés; Claudia Markt und die Schüler*innen der MS Umhausen; die Bewohner*innen von Umhausen; Bettina Siegele, Cornelia Reinisch-Hofmann und das Team der Künstler*innen Vereinigung Tirol; und die Familie Kugler.
- Die Förderschiene Kunst im öffentlichen Raum des Landes Tirol wird seit 2008 in einer Kooperation mit der Künstler*innen Vereinigung Tirol durchgeführt.